Leben mit Hund in der Stadt – wie es wirklich ist

Seit zwei Jahren lebt die kleine Bounte jetzt bei uns. Mehr zufällig als von langer Hand geplant. Bereut haben wir diese Entscheidung noch keinen einzigen Tag. Ganz im Gegenteil. Allerdings haben wir uns vieles komplett anders vorgestellt. Und wir haben wirklich alle Eventualitäten für uns bis ins Kleinste durchgeplant. Am Ende ist nun alles anders als gedacht. Doch obwohl bei uns nur noch selten alles nach Plan läuft, kann ich jedem sagen, dass sich der ganze Aufwand absolut lohnt. Aber erst mal von Anfang an:

Wenn ich mit Bounty unterwegs bin, werden wir immer wieder angesprochen, wie süß sie doch sei. Es wird bekräftig, dass man Hunde liebt und eigentlich selbst auch gerne einen Hund hätte. Aber die Umstände lassen es in der Stadt irgendwie nicht zu. Und weil immer wieder dieselben Fragen auftauchen, habe ich mich entschieden, in diesem Artikel möglichst viel über unser Leben mit Bounty in der Stadt zu beantworten.

Liebe auf den ersten Blick

Bounty kommt eigentlich aus Griechenland. Wir haben vor ca. 2,5 Jahren eine Anzeige von Paroshunde gesehen, in der ein neues Zuhause für sie gesucht wurde. Sie kam damals nach Deutschland und konnte plötzlich nicht bei ihrem ursprünglich geplanten Besitzer einziehen. Also war sie bei uns in der Nachbarschaft noch ein paar Tage bei einer Familie zur Pflege untergebracht. Wir hatten immer mal wieder über einen Hund gesprochen. Wirklich ernsthaft nach einem Hund gesucht, hatten wir aber nie. Mehr zum Spaß habe ich damals gesagt, dass wir sie doch mal besuchen können. Noch am selben Abend sind wir unglaublich verliebt nach Hause gekommen und haben die halbe Nacht sämtliche Möglicheiten durchdacht, wie wir für sie ein passendes Zuhause sein können. Irgendwann stand fest, wir machen das jetzt einfach. Wird schon klappen. Letztendlich hat der Vermieter dann auch noch sein Einverständnis gebeben und Bounty konnte nach einer kurzen Platzkontrolle von Paroshunde bei uns einziehen.

Eingewöhnung, Arbeit und die erste Reise

Bounty Office

Wir haben uns von Anfang an Gedanken gemacht, wie Bounty betreut wird, wenn wir mal nicht da sein können. Natürlich wollen wir sie nicht ständig abgeben. Aber kommt ja mal vor, dass man unterwegs ist. Meine Eltern leben zum Beispiel im Umland von München in einem Haus mit Garten. Da geben wir sie natürlich am Liebsten hin. Wir haben uns aber auch schlaugemacht, ob es hier in der Nähe Hundetagesstätten und Hundesitter gibt. Hundetagesstätten gibt es einige. Wir haben sie allerdings noch nie ausprobiert. Und einen Hundesitter haben wir über Leinentausch damals auch gefunden. Außerdem war von Anfang an klar, dass sie bei uns beiden mit in die Arbeit gehen kann. Glücklicherweise war ich bei ihrem Einzug gerade drei Monate verletzungsbedingt zuhause. So hatten wir am Anfang viel Zeit für sie, und Bounty konnte in aller Ruhe in ihrem neuen Zuhause ankommen. Wir haben uns im Vorfeld so sehr darum Gedanken gemacht, wo wir sie hingeben, wenn wir in den Urlaub fliegen. Drei Monate nach ihrem Einzug sind wir dann tatsächlich auch für ein Wochenende nach Paris geflogen. Bounty blieb in der Zeit bei meinen Eltern. Die Reise war schon lange vor ihrem Einzug gebucht und wir hätten am Liebsten storniert. Schon am ersten Abend saßen wir in unserem Hotelzimmer und haben sie alle beide unendlich vermisst. So viel zu unserer Planung … Niemals hätten wir uns vorher beide vorstellen kann, dass ein Tier so sehr zum Familienmitglied wird.

Regelmäßigkeit und Rhythmus sind das A und O

Bounty Hund München

Zugegeben, ich hatte mir immer vorgestellt, dass wir einen Hund ganz einfach überall mit hinnehmen. Bounty hat uns aber ganz schnell klar gezeigt, dass sie davon überhaupt nichts davon. Jeden Tag einen komplett neuen Tagesablauf zu haben passt ihr einfach nicht. Es mag bestimmt Hunde geben, die das einfach wegstecken. Bounty nicht. Punkt 20 Uhr steht sie bis heute jammernd vor uns und gibt erst wirklich Ruhe, wenn wir alle auf der Couch liegen. Natürlich tanzen wir nicht jeden Tag nach ihrer Nase. Aber man merkt einfach, dass sie einen eigenen Rythmus hat und sich wohler fühlt, wenn dieser eingehalten wird. Irgendwann sind wir dazu übergegangen, sie nicht mehr überall hin mitzuschleppen. Schon gar nicht, wenn sie in einem Restaurant sowieso nur stundenlang ruhig liegen müsste. Da hat sie es zuhause viel gemütlicher. Grundsätzlich könnte sie überall mit hin. Unser Leben ist aber deutlich entspannter, wenn wir ihr ihren Rhythmus lassen.

Die große Veränderung

Bounty Körbchen

Als wir uns für Bounty entschieden haben, war klar, dass wir beide bis zu ihrem Lebensende für sie da sind. Daran gibt es bis heute nichts zu rütteln. Leider ist es aber so, dass Beziehungen nun einmal völlig ungeplant auseinander gehen. So auch bei uns. Nachdem Bounty ca. ein Jahr bei uns war, haben wir entschieden, uns zu trennen. Die Hundedame und ich leben bis heute in derselben Wohnung. Ihr Herrchen ist ans andere Ende von München gezogen. Wie das nun mal so bei Beziehungsenden ist, findet man nicht gleich wieder eine neutrale Ebene, auf der man Dinge sachlich besprechen kann. Also waren Bounty und ich zuerst einmal alleine. Die kleine Maus hat so sehr gelitten, dass es mir fast das Herz herausgerissen hat. Ich musste ab da immer wieder nachts mit ihr raus, weil sie Durchfall hatte. Ganz plötzlich ist sie immer wieder in Hungerstreik getreten und hat tatsächlich auch angefangen, aus lauter Unsicherheit Menschen und alles Mögliche zu stellen. Ob das alles wirklich mit der Veränderung zu tun hat oder mit ihrem eh schon unsicheren Wesen kann ich natürlich nicht sagen. Fakt ist aber, dass es plötzlich nach dem Auszug aufgetreten ist und wir seitdem mit ihr und auch an uns viel üben müssen um Situationen für sie gelassener zu meistern.

Das Leben als Patchwork-Hundefamilie

Bounty Hirschgarten

Heute kümmern wir uns beide um sie. Ich würde sagen, den Großteil unter der Woche verbringt sie bei mir. Wann es nur geht, springt ihr Herrchen ein. Sie hat also zwei verschiedene Zuhause mit kompletter Ausstattung. Wir haben uns davor viel damit beschäftigt, ob es nicht besser ist, wenn sie einen von uns überhaupt nicht mehr sieht. Zum einen können wir das aber beide nicht leisten und zum anderen ist das natürlich auch eine Herzensangelegenheit. Und mal ehrlich, wäre es besser, wenn sie nur einer von uns beiden hätte, wir sie dafür aber regelmäßig an jemanden fremden geben müssten? Ich finde nicht! Wir haben für die Übergabe einfach auch Rituale gefunden und in jedem Körbchen liegt ein T-Shirt vom jeweils anderen. Bis heute absolvieren wir Tierarztbesuche gemeinsam und gehen zusammen in die Hundeschule. Ist Bounty mal wieder besonders süß, wird sofort ein Bild gemacht und dem anderen geschickt. Zugegeben, jemand anderes könnte unsere Hundeliebe wahrscheinlich auch gar nicht verstehen. Heute haben wir beide neue Partner, die von Anfang an wussten, auf was sie sich einlassen. Und ich glaube Bounty findet es manchmal schon auch gut, dass immer jemand zum Spielen, Toben oder Kuscheln Zeit hat.

Arbeitsalltag mit Hund

Hund im Büro

Bounty ist von Anfang an mit mir in die Arbeit gegangen. Ganz zu Beginn hat das nicht so reibungslos geklappt. Sie hat erst lernen müssen, dass sie nicht das Büro verlassen darf usw. Auch als Arbeitnehmer ist Hund im Büro nicht immer einfach. Erstens müssen natürlich die Kollegen mitspielen und zweitens ist man einfach nicht mehr so flexibel. Ich kann oft nicht bis in die Puppen sitzen und Überstunden machen (was ja eigentlich auch gar nicht so gut ist …) Und manchmal will Bounty auch einfach Aufmerksamkeit, wenn es gerade nicht so passt. Die Mittagspause gehört sowieso immer ihr. Glücklicherweise leben wir am Hirschgarten und Arbeiten in der Nähe vom Nordteil des Englischen Gartens. Wir haben also immer viel Grün in der Nähe um vor während und nach der Arbeit uns auszupowern.

Mobilität mit Hund in der Stadt

Bounty Lastenrad

Von Anfang an haben wir geübt mit ihr öffentliche Verkehrsmittel zu nutzen. Überlegt allerdings mal, wie genervt und gestresst ihr oft zur Rush-our in der U-Bahn seid. Für mich ist es ein Drama, wenn wir in eine U-Bahn müssen, in der man sich wie in einer Sardinenbüchse fühlt. Bounty sieht nur Füße und wird ständig getreten. Irgendjemand mit Anzug sitzt immer in der Nähe und möchte ihre Haare nicht auf der Hose haben. Kurz gesagt, ich hasse es! Bounty benimmt sich unglaublich super in der MVV. Allerdings steigen wir aus und sie sucht sich sofort ein Ventil für den Stress und stellt andere Menschen knurrend und bellend. Unsere Lösung: ein Lastenrad. Natürlich schauen einen andere Verkehrsteilnehmer schief an, wenn man seinen Hund durch die Stadt kutschiert. Den Großteil unserer Strecken muss sie auch immer noch selbst laufen. Aber dort, wo 20 Radler gleichzeitig versuchen über die Ampel zu kommen, fühl ich mich einfach sicherer sie so durch den Münchner Radlwahnsinn zu bringen.

Hundeschule

Bounty Hundeschule

Hundebesitzer zu sein bedeutet Verantwortung. Und zwar nicht nur für Futter und 3 Gassirunden am Tag. Sonder auch für das Verhalten des Hundes gegenüber anderen Menschen und auch Vierbeinern. Die wenigsten Hunde laufen einfach so nebenher. Ich habe mich von Anfang an darauf gefreut, mit Bounty in die Hundeschule zu gehen und mit ihr zu üben. Wäre das nicht so gewesen, hätten wir uns auch einfach nur einen Bettvorleger kaufen können. Mir war aber nicht klar, dass bei uns viele Themen einfach sehr lange dauern, bis sie wirklich sitzen. Denn so süß die Dame auch ist, sie kann auch anders. Und ihr könnt mir glauben, es geht einem Großteil der Hundebesitzer so. Viele kümmern sich nur einfach nicht darum.

Fazit

Hundebesitzer zu sein ist unglaublich toll, manchmal nervenaufreibend und stressig. Aber man bekommt so viel von den Vierbeinern zurück. Ich werde mich wahrscheinlich nie an unsere 6:30 Uhr Spaziergänge gewöhnen können. Übrigens macht Bounty da keinen Unterschied, ob es Wochenende ist. 🙂 Spätestens, wenn sie nach 100 Metern dann aber neben mir her hopst und sich so sehr über den neuen Tag freut, ist auch das vergessen.


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