Achensee Trail Hero 2018

Mein erster offizieller Trailrun oder aber „Laufen ist nur Kopfsache“.

Trailrun Medaille Achensee

Ich bin selbst immer noch ganz überrascht von mir. Zwischen meinen gesammelten Startnummern und Medaillen hängt nun also auch der Beweis für meinen ersten Trailrun. 15 km und 700 hm haben wir am Achensee zurückgelegt. Schon eine ganze Weile verfolge ich Instagram-Accounts von Trailrunnern. Habe mich selbst an der Aueralm und an der Gindelalm versucht. Ticket und Hotel für den Spartan Beast in Oberndorf sind ebenfalls gebucht. Es war klar, dass ich an Läufen mit Höhenmetern wohl nicht mehr vorbeikomme. Aber nie hätte ich gedacht, dass ich so schnell schon an einem offiziellen Trailrun teilnehme. Laufen auf der geraden Strecke ist für mich überhaupt kein Problem. Schon in dieser Woche habe ich mich selbst mit 5 km in 24 Minuten überrascht. Aber seit ich mit dem OCR-Munich trainiere, weiß ich, dass Laufen mein geringstes Problem sein wird. Wäre auch zu schön.

Ohne nachzudenken, habe ich also zwei Tage vorher ganz spontan für den Achensee Trail Hero zugesagt. Ich hatte bis dahin nur eine ungefähre Ahnung, was auf mich bei einem Trailrun zukommen würde. Mein einziges Ziel war, sich selbst zu testen und ein Gefühl für die eigene Fitness in den Bergen zu bekommen. Eine Bestandsaufnahme also, wo ich mich noch verbessern muss.

Die Strecke

Laut Streckenprofil ging es nur einmal bergauf. Also keine abwechselnden Steigungen und Senkungen. Nach Kilometer 7 würde der höchste Punkt, eine Hütte mit Verpflegungsstation kommen. Ab da ging es nur noch bergab. Ziel war also viel Zeit für den Aufstieg einplanen und ab der Hütte wieder Zeit gut zu machen.

Trailrun Strecke Achensee

Unser Ziel? Ankommen!

Die erste große Überraschung gab es dann schon bei der Nachmeldung. Lediglich 85 Starter hatten sich für den Trailrun angemeldet. Oh mein Gott, dachte ich mir. In meinen Gedanken habe ich mir schon mal ausgemalt, wie es wohl sein würde als Letzter durchs Ziel zu kommen. Wir hatten auch überhaupt kein Gespühr dafür, wie lange man für Aufstieg und die Strecke abwärts brauchen könnte. Immerhin waren wir zumindest zwei Ahnungslose, die sich zusammen angemeldet hatten. Wobei ich mir sicher war, mein Laufpartner muss um einiges fitter sein. Heute weiß ich, dass schon der Ausblick für all die Anstrengung entlohnt.

Achensee Trail Hero Achensee

Motivation ist alles

Befreundete Läufer, die wir im Startbereich getroffen hatten, erklärten unsere Einschätzung von 2 Std. auch gleich mal für unrealistisch. Schade eigentlich! Da um uns herum die Starter mittlerweile alle topausgerüstet Aufstellung nahmen, stieg meine Unsicherheit sowieso ins Unermessliche. Eine Mischung zwischen was mach ich hier überhaupt und jetzt zeig ich es euch erst recht, machte sich bei mir breit. Hilfreich, wenn man da eine positiv eingestellte Begleitung dabei hat. Überhaupt habe ich auf der Strecke festgestellt, dass es wichtig ist, nicht alleine unterwegs zu sein. Man motiviert sich einfach ganz anders gegenseitig.

Der Trailrun – es kein Zurück mehr

Trailrun Start Achensee

Dann fiel auch schon der Startschuss. Los ging es mit gemütlichem Lauftempo, wie ich dachte in die ersten zwei eher flachen, teils leicht ansteigenden Kilometer. Irgendwann habe ich die Info bekommen, dass wir mit 5:30 eigentlich sehr gut in der Zeit sind. Gleich bei Kilometer 1 kam der große Schock: umgeknickt. Aber zum Glück ist nichts passiert. Es gab sowieso keine Zeit zum Nachdenken. Denn nach zwei Kilometern bogen wir auf den ersten Trail ab. Für mir war das kein Trail mehr, sondern ein richtig steiler Aufstieg, querfeldein über Wurzeln und Geröll. Gelaufen ist jetzt keiner mehr. Meine Oberschenkel taten unendlich weh. Bei km 3 dachte ich mir, ich schaffe das nie bis oben in diesem Tempo. Doch zu meiner Überraschung stellte ich fest, dass auch die erfahrenen Läufer überhaupt nicht weit weg waren. Ich möchte bei solchen Läufen zwar immer aufgeben, aber wer mich kennt weiß, dass ich dafür viel zu viel Biss habe und so eine Niederlage mit meinem Ego nie vereinbaren könnte. 😉

Achensee Trail Hero Aufstieg

Ein Ausblick, der alles entlohnt

Irgendwie waren wir plötzlich oben. Noch bevor wir die Versorgungshütte erreicht hatten, wurde der Weg flach und es konnte wieder gelaufen werden. Plötzlich ging es über eine Kuppe und wir standen vor einem unglaublichen Ausblick. Jetzt war klar, die ganzen Schmerzen hatten sich gelohnt. Das macht also einen Trailrun aus. So eine Aussicht hatte ich zuletzt in den Dolomiten gesehen. Ab da gab es von mir nur noch Kommentare wie „was für ein schöner Lauf, was für eine tolle Strecke!“ 😀

Trairun Ausblick Achensee Achensee Trail Hero See

Der schönste Ausblick, die Ziellinie!

Unser Ziel von 1 Std. Aufstieg hatten wir mit 1:20 mittlerweile ordentlich überboten. Aber für mich zählte viel mehr, das ich mit anderen Läufern mitgehalten hatte. Ich hatte es auch unterschätzt, mit wie viel Konzentration Trailrunning verbunden ist. Eine ganze Weile liefen wir über einen Pfad, an dem es neben uns wirklich steil bergab ging. Und auch sonst ist die Gefahr umzuknicken oder zu stolpern riesig. Man läuft eben oft nicht wie auf Wanderwegen mit einer ordentlichen Geschwindigkeit bergab. Nachdem wir aber nach 11 km auf einen Forstweg abgebogen sind, liefen wir problemlos mit einer 5er-Pace bergab. Die größte, mentale Herausforderung kam noch mal am Ende bei km 14. Ein eigentlich kleiner Anstieg. Aber meine Füße waren fast nicht mehr in der Lage mich ins Ziel zu bringen. Natürlich versucht man nicht aufzugeben. Aber ich habe selten bei einem Lauf am Ende so gekämpft. Umso größer dann die Erleichterung im Ziel mit einer Zeit von 2:15 angekommen zu sein.

Achensee Trail Hero Finish

Und erst heute, einen Tag später wird mir bewusst, was ich da für mich geleistet habe. Vor 8 Monaten habe ich erst wieder zu trainieren begonnen. Dank Bandscheibenproblemen und Knie-Op stand eigentlich fest, dass ich so schnell nicht mehr lange Strecken laufen werde. Heute ist es eher so, dass ich mich bremsen muss. An vielen Tagen gehe ich morgens mit Bounty laufen und abends zu Freeletics oder ins OCR-Training. Gerade in dieser Woche feiere ich für mich persönlich unglaubliche Erfolge, wie 4 Klimmzüge am Stück, 5 km in 24 Min. und eben den ersten Trailrun.

Für mich steht fest, dass der Weg zum Spartan Beast noch ein langer aber absolut schaffbarer Weg ist. In diesem Sinne lege ich jetzt (zumindest für heute) die Füße hoch. Gefeiert wurde die Medaille gestern sowieso ausgiebig.

 

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