Manchmal trennen sich die Wege eben!

Umgib dich mit Menschen, die so sind, wie du sein möchtest. Oder die das, was du vorhast, bereits erlebt haben. Ein ganz netter Satz, der ja irgendwie auch Sinn macht. Aber das sich dahinter so viel Wahres verbirgt, erleben wir erst jetzt seit unserer Rückkehr.

Wir springen zurück zum Anfang unserer Tour, als wir noch in München waren und alles begonnen hat. Wir haben hier und auf Social Media von unseren Plänen berichtet und haben von so vielen von euch Mut zugesprochen bekommen. Keine Frage, wir hätten auch mit viel Gegenwind unsere Pläne verwirklicht. Aber eure Kommentare haben eben auch motiviert. Ich bin fest davon überzeugt, dass wir auch deshalb Dinge schneller umgesetzt haben, als wir es uns überhaupt zugetraut hätten.

Für die einen fremd, für andere das Normalste der Welt

Also ging es im Juli für uns los. Gleich unser erster Stellplatz war ein Volltreffer. Blick auf die 3 Zinnen und neben uns zwei richtig coole Vanlife-Paare. Beide mit einzigartig ausgebauten Campern. Beide reisten damals in Vollzeit und wir waren schwer begeistert. In diesem Umfeld hat es sich angefühlt, als wäre es das Normalste der Welt, in einem Camper zu wohnen.

Campervan Dolomiten

Und so ging das Woche für Woche und Tag für Tag weiter. Also haben Alex und ich in diesem Umfeld angefangen, uns auszumalen, wie so eine Zukunft für uns aussehen könnte. Wäre Vanlife für uns etwas? Wie werden wir in Zukunft unser Geld verdienen usw.? Es war einfach plötzlich alles so klar. Und so kam der Tag, dass wir einfach unsere Wohnung gekündigt haben. Wie und wo wir in Zukunft leben wollen, erkläre ich an anderer Stelle.

Zurück aus einer anderen Welt

Wir kamen also nach Hause. Haben den Van bei uns im Wohngebiet geparkt und angefangen, alles in die Wohnung zu tragen. Wie aus dem Ei gepellt sahen wir nach 10 Stunden Fahrt nicht gerade aus. Es war ein sonniger Nachmittag und dementsprechend viele Familien waren mit ihren Kindern auf dem Spielplatz. Wir standen also schon gleich mitten drin im Münchner Alltag.

Vielleicht sollte ich an dieser Stelle erklären, wie und in welchem Umfeld wir wohnen. Bitte nicht falsch verstehen, ich berichte einfach nur von meiner ganz eigenen Wahrnehmung. Hier lebt man als Familie. Nachmittags und am Abend sind die Spielplätze voll. Voll mit Kindern und den liebevoll von uns genannten Prosecco-Muttis. Denn den gibt es hier reichlich. Genauso oft, wie es vorkommt, dass viele Familien, die hier leben, es sich leisten können, dass nur ein Elternteil arbeitet. An sich nichts Verwerfliches und durchaus toll für die Familien. Aber ich will dir damit zeigen, dass wir eben nicht zwischen lauter Hipster-WGs in Schwabing wohnen.

Noch während wir so ausräumen, kommen Nachbarn auf uns zu und bemerken, dass sie uns schon lange nicht mehr gesehen hätten, ob wir im Urlaub gewesen wären. Wir berichten kurz, wo wir waren und wie lange und wie gut es uns gefallen hat. Statt Zuspruch kommen diesmal aber nur Kommentare wie: “Und da drin habt ihr geschlafen? Oh mein Gott!” oder “Digitale Nomaden? Also Zigeuner, meinst du?” und “Ihr kündigt diese tolle Wohnung und lebt in Zukunft im Bus?” Glaubt mir, ich wusste bis dahin nicht, wie abfällig man eigentlich Bus aussprechen kann.

Was zählt, ist allein das eigene Gefühl

Wir haben unsere Sachen weiter ausgepackt mit dem Wissen, dass wir für uns auf dem richtigen Weg sind. Aber noch den ganzen Abend hab ich mich gefragt, warum ich mich nun eigentlich schlecht fühle. Ich dachte immer, es fällt vor allem mir schwer, hier wegzuziehen. Aber jetzt ist das Gegenteil der Fall. Ich merke richtig, wie wir hier gerade nicht mehr hingehören. Bis vor unserer Reise hätten wir uns ein Leben als Familie hier tatsächlich auch vorstellen können. Aber so eine Reise verändert wohl doch mehr, als uns klar war.

Mittlerweile glaube ich, dass diese Kommentare überhaupt nicht böse gemeint waren. Die Personen, von denen sie kamen, stehen nur eben an einem anderen Punkt im Leben als wir. Haben andere Grenzen und Vorstellungen. Denn wenn jemand sagt, etwas geht nicht, dann geht es eben für diejenige Person nicht. Aber für dich kann das doch wieder ganz anders aussehen.

Vanlife Italien

Im Nachhineine kann ich nur bestätigen, dass es hilft, ab und an das eigene Umfeld zu verlassen. Einfach mal die Dinge von weit weg und von außen zu betrachten. Ob wir unser Vorhaben gestartet hätten, wenn wir tagtäglich bei unseren Nachbarn zum Kaffeekränzchen gewesen wären? Ich denke ja. Aber bestimmt nicht so unbedarft. Und da wären wir also wieder am Anfang: Umgib dich mit den Menschen, die so sind, wie du sein möchtest. Du wirst dich von ganz alleine in diese Richtung entwickeln.