Tausche Auto gegen Lastenrad

Wie ist das so ohne Auto? Ich habe es mir lange nicht vorstellen können, meine so lieb gewonnene Freiheit, einfach überall hinfahren zu können abzugeben. Ehrlich gesagt war es auch ganz schön komisch am Anfang. Und heute? Da kann ich es mir eigentlich nicht anders vorstellen.

Das Auto, mein unersetzbarer Begleiter!

Für mich war mein geliebter kleiner Flitzer absolut unersetzbar. Und bevor du fragst: Ja, er hatte einen Namen. Ich bin auf einem Dorf groß geworden und kannte es bis zu meinem Umzug nach München nicht, das jemand ohne Auto zurechtkommt.

Für mich hat mein Auto absolute Freiheit bedeutet. Mal kurz nach Hause zur Familie, Bounty einpacken und an die Hundewiese fahren usw.

Außerdem liebe ich bis heute Autofahren. Ich hatte kein Problem beim Einparken, fand mich auch mitten in der Stadt mit Auto zurecht und bildete mir damals ein, dass ich ohne Auto einfach unendlich angebunden war.

Die Freiheit endet am Mittleren Ring!

Was ich schon immer gehasst habe, war der tägliche Stau auf dem Mittleren Ring. Vor allem freitags, wenn du eigentlich früher in der Arbeit gehen kannst und dann mit 1000 anderen Pendlern auf der Straße die Zeit vertrödelst. Zum Kotzen!

Irgendwann ist mir aufgefallen, dass ich mit meinem Auto eigentlich immer im Stau stehe. Die Fahrten in die Berge oder zur Familie nach Hause konnte ich mittlerweile auch an einer Hand abzählen. Und wenn es in Richtung Alpen ging, war doch immer irgendjemand da, der ein Auto hatte. Ich habe mir einfach überlegt, wo ich das Auto überhaupt noch brauche.

Weg zur Arbeit: Eine super Radl-Strecke und dazu kommt die Möglichkeit auf Home Office

Nach Feierabend: Alles in München ist in ca. 30 Min. mit dem Rad zu erreichen. Und öffentliche Verkehrsmittel gab es ja auch noch.

Fahrt in die Heimat: Meine Familie lebt nicht weit weg von einer S-Bahn Endhaltestelle

Fahrt in die Berge: Ohne Auto oft schwer aber es gibt ja Car Sharing Anbieter

So wurde mir die Entscheidung leicht gemacht, mein Auto zu verkaufen

Hinzu kam dann auch noch eine Reparatur, die mich viel Geld gekostet hat. Mir war irgendwann klar, dass ich mein Auto entweder jetzt verkaufe oder überhaupt nichts mehr dafür bekomme. Zu der Zeit hat für mich Nachhaltigkeit noch fast kein Thema gespielt. Klar war mir bewusst, dass Autofahren nicht unbedingt das Nachhaltigste ist. Aber aus diesem Grund habe ich damals mein Auto nicht hergegeben.

Ich habe mich also immer mehr damit beschäftigt, wie viel ich monatlich für mein Auto ausgehen und in welcher Höhe ich mir dann Bahntickets, Car Sharing und öffentliche Verkehrsmittel leisten kann um genauso viel auszugeben. Und das war einiges. Denn mit Tanken, Versicherung, jährlichen Reparaturen und Steuern kam ich auf fast 300 € im Monat. Mit so einer Summe hatte ich irgendwie nicht gerechnet. Dazu kam noch ein teurer Stellplatz in unserer Tiefgarage und ein Stellplatz in der Arbeit.

Nach dieser Rechnung war die Entscheidung klar. Ich werde nicht um täglich im Stau stehen zu können monatlich 300 € bezahlen. Damit sich mein Entschluss nicht ganz so endgültig anfühlte, habe ich mir selber das Ziel gesetzt, dass ich versuchen werde, ein Jahr ohne Auto auszukommen. Das war vor fast 2 Jahren.

Was in der Theorie super klingt, fühlt sich in der Praxis nicht unbedingt gut an

Als das Auto verkauft wurde, hätte ich heulen können. Mein einziger Trost war, dass es an eine Fahranfängerin ging, die sich wirklich sehr über den Kauf gefreut hatte. Aber da stand ich nun, ziemlich unmobil. Neben mir Bounty. Die kleine Hundedame war zwar an S-Bahn fahren gewöhnt, aber ich hab schnell erkannt, dass sie die Fahrt für sie nur Stress bedeutet. Zwar lief in der Bahn alles gut. Aber sie hat sich fast nach jeder Fahrt irgendwo ein Ventil gesucht, um Stress abzubauen.

Kein Wunder. So eine S-Bahnfahrt als kleiner Hund ist auch einfach eine Zumutung. Nur Beine um einen herum, laute Geräusche, ständig Kinder, die einen anfassen wollen. Und für mich war es irgendwann auch ein Drama. Gerade morgens, wenn es geregnet hatte … Viele Menschen sitzen da im Anzug und du weißt ganz genau, dass du es nicht vermeiden kannst, dass sich dein Hund gleich schüttelt. Danke auch. Würde mir auch nicht gefallen. (Ich merke schon beim Schreiben, was das für ein Stress für uns damals war. :-))

Meine Rettung, ein Lastenrad

Es war also lange klar, dass ich mir wieder ein Auto kaufen werden. Mittlerweile hatte ich mich auch mit Nachhaltigkeit beschäftigt und habe mir E-Autos angeschaut. Aber irgendwie war ich von nichts so richtig überzeugt. Elektroautos sind ja auch nicht unbedingt die sauberste Lösung.

Irgendwann gab es dann von meinem Arbeitgeber aus das Angebot, dass man sich ein Fahrrad leasen kann. Quasi wie ein Firmenfahrzeug. Zu der Zeit hab ich mir schon öfter Lastenräder angeschaut gehabt. Ich hab so gar mal eine Testfahrt auf einem Lastenrad in einem Fahrradgeschäft absolviert. Allerdings damals ohne E-Antrieb. Keine Chance es voranzubringen. Und ein Lastenrad mit E-Antrieb war mir damals einfach zu teuer.

Jetzt allerdings wurde damit geworben, dass einen Teil des Rads der Arbeitgeber durch die Zuzahlung vom Bruttogehalt übernimmt und dadurch auch noch eine Steuerersparnis hat.

Und tatsächlich war ein Anbieter dabei, der Lastenräder für Hunde zur Verfügung gestellt hat. Viele werden sich jetzt denken: „Oh Gott, wer kauft schon ein Lastenrad für Hunde?“ Aber ich kann dir versichern, dieses Lastenrad haben zig Familien in München und es klebt bei mir einfach nur ein Aufkleber mit der Aufschrift „Dog“ vorne drauf.

So haben wir uns bis heute organisiert

Und so kam es, dass wir mittlerweile für sämtliche Situationen unsere Lösung gefunden:

Einkäufe:
Lastenrad

Ausflüge in München mit Hund:
Lastenrad

Ausflüge ohne Hund:
normales Rad

Treffen, bei denen man nicht verschwitzt ankommen möchte:
Emmy E-Scooter

Nachhaltig Auto fahren in der Stadt:
i3 von Drive Now

Günstig Auto fahren in der Stadt:
Oply von Ford

Fahrten raus aus der Stadt:
billigermietwagen.de oder Sixt-Angebote

Fahrten in die Berge:
In diesem Artikel erzählen wir, wie du ohne Auto in die Skigebiete kommst: 

Pistengaudi: So kommst du ohne Auto in die Skibebiete

Und diese Wanderung startet ebenfalls an einem Bahnhof:

Wandertipp: Berggasthaus Neureuth am Tegernsee

Wir müssen zugeben, dass wir noch ein Ass im Ärmel haben. Einer unserer Arbeitgeber stellt Firmenwägen zur Verfügung, die man von Freitag Nachmittag bis Montag früh für sehr wenig Geld und ohne Spritkosten buchen kann. Wenn es also zu Alex nach Hause, nach Innsbruck geht, fahren wir entweder Zug oder damit.

Also du siehst, es funktioniert ganz wunderbar ohne Auto in der Stadt. Das dies auf dem Land wieder anders aussieht, kann ich absolut nachvollziehen. Allerdings kam mir dazu heute auch ein Gedanke. Hier in München ist ja jeder mit dem Rad unterwegs, egal ob mit Anhänger, ohne Anhänger, auf den schlechtesten Radwegen, an der Isar usw. Meine einfache Strecke in die Arbeit beträgt 9 km. Dafür brauche ich eine halbe Stunde. Wäre ich früher mit dem Rad vom Dorf in die nächste Stadt gefahren, wären das auch 9 km gewesen. Also keine Ahnung, warum ich da nicht öfter geradelt bin. An der sportlichen Motivation lag es damals schon nicht.

Ich hab dir vorher ja erzählt, dass ich damals fast 300 € pro Monat für mein Auto ausgegeben habe. Wir brauchen heute, wenn überhaup alle 2 Monate mal ein Auto. Wenn wir wollten, könnten wir also viel öfter mit einem Car Sharing Anbieter fahren. Aber irgendwie freue ich mich so sehr über die Ersparnis, dass uns das gar nicht einfällt. Außerdem fällt es uns meist sowieso zu einer Zeit ein, in der Stau in der Stadt ist.