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Das Leben als digitale Nomaden – unsere Erfahrung

Das Leben als digitale Nomaden - unsere Erfahrung

Irgendwann, haben wir immer gesagt, testen wir mal das Leben als digitale Nomaden. Schon bei unserem ersten Date war das damals Gesprächsthema. Unsere Berufe als Marketing Manager und Grafiker sind ja gerade dafür prädestiniert. Das jetzt aber alles so schnell geht, hätten wir nie gedacht. Denn irgendwann war immer so wunderbar weit weg. Und in der Theorie ja auch mit überhaupt keinem Risiko verbunden. Wir haben hier in München zwei gute Jobs, eine riesige Wohnung und einen tollen Freundeskreis. Also wozu das alles ändern?

Durch Isarleben und unsere Kontakte in die gesamte Bloggerszene, ist das Thema ortsunabhängiges Arbeiten schon immer präsent. Wir haben viele Kollegen, die genau dieses Modell leben. Uns ist bewusst, dass man nicht in einen lebenslangen Urlaub aufbricht. So blauäugig sollte man nicht sein. Ein digitaler Nomade arbeitet wahrscheinlich noch viel mehr als ein Marketing Manager in einem großen Konzern mit 9 – 5 Job. Trotzdem möchten wir einmal für uns testen, ob dieses Leben für uns geeignet ist.

Zurück zur Frage, warum das alles ändern. Ganz einfach. Wir haben gemerkt, dass eine große Wohnung mit teurer Miete und ein super Gehalt den Alltag richtig angenehm machen können. Um ein glückliches Leben zu führen, braucht es jedoch ganz andere Dinge. Für uns gehört Flexibilität und Selbstbestimmung auf alle Fälle dazu. Dank Corona haben wir beide die Möglichkeit, ortsunabhängig bzw. in Kurzarbeit zu arbeiten. Wir wollen diese Zeit nicht nur absitzen, sonder unbedingt nutzen.

Reisen

Also steht jetzt der Entschluss fest, dass in wir in 2 Tagen aufbrechen werden und die nächste Woche für einen kleinen Test als digitale Nomaden nutzen. Anschließend haben wir ein paar Termine in München. Danach werden wir entscheiden, wie es weitergeht. Auf der Suche nach einem Van sind wir, wie wahrscheinlich alle im Moment, schon länger. Außerdem hängt unser Vorhaben natürlich auch davon ab, wie lange die Arbeitgeber mobiles Arbeiten zu lassen bzw. wie die Regelungen dafür in Zukunft sein werden.

Für uns steht aber jetzt schon fest, dass wir euch auf dieser Reise mitnehmen möchten und hier unser digitales Nomaden Tagebuch veröffentlichen werden. Denn, wie wir auch von unserem Umfeld wissen, ist das Leben als digitaler Nomade ein Thema, mit dem sich derzeit viele von euch beschäftigen.

9. Juli 2020 - Wir haben uns entschieden, das Experiment zu wagen

Ok, der Entschluss ist gefallen. Jetzt fahren wir dann also los. Einfacher gesagt, als getan. Denn wo wollen wir wohnen? Campingplatz, Ferienwohnung, Co-Living, oder am Ende doch noch kurzfristig einen Camper mieten. Was ist für uns am besten? Bei welcher Variante kommen wir am besten mit unserer Hundedame Bounty klar? Ich kann gar nicht sagen, wie oft wir in den letzten 24 Stunden unsere Pläne verworfen und neu aufgesetzt haben. Und unterbewusst schwingt auch immer noch die Tatsache mit, dass diese Testwoche unsere gesamte Zukunft verändern könnte.

Was uns aber tatsächlich heute an unsere Grenzen bringt, ist unsere geplante Internetlösung. Wir haben uns schon vor Wochen für einen mobilen WLAN-Router entschieden. So billig sind die aber leider nicht. Genau das ist der Grund, warum wir den Kauf auch so lange vor uns hergeschoben haben. Heute war dann klar, wir wollen so einen Router doch dabei haben. Tja Pech gehabt! Denn die Lieferzeiten sind auch bei lokalen Märkten lange. Also haben wir unser Glück bei Amazon versucht. Und siehe da: Lieferung noch heute. Also schnell bestellt. Läuft ja doch wie am Schnürchen. Von wegen. Denn beim Kontrollieren der Bestellung steht da “Lieferung morgen um 21 Uhr”. Hallo? Da wollten wir ja schon auf der Straße sein. Und wir können noch nicht mal jemandem böse sein, denn wer so spät kauft, ist selbst schuld.

Gardasee

Also neuer Plan. Wir fahren ohne Router los und nutzen das Gerät bei unserer zweiten Tour. Wir versuchen also gleich, unsere eigenen Handyverträge für diesen Monat aufzustocken und hoffen, dass dies reicht oder wir eine Prepaid-Karte organisieren können.

10. Juli 2020 - Wir starten mit Einschränkungen

Es geht los. Wir haben gestern Abend einen Stellplatz direkt am Gardasee gebucht. Vermutlich wird Camping ohne Van in Zukunft nicht unsere erste Wahl sein. Wir wollen es aber trotzdem ausprobieren.

Mobiler Router Netgear

Große Überraschung, vor der Abfahrt: Der mobile Router kam tatsächlich noch an. Es fehlt also nur noch die passende SIM-Karte mit entsprechendem Datenpaket. Da wir heute aber viel Arbeit haben, kommen wir relativ spät los. Wir müssen also auf dem Weg zum Gardasee bei einem Elektromarkt vorbeifahren und dort ein SIM-Karte kaufen.

Zu Früh gefreut. Denn vor Ort erhalten wir auf die Frage nach einem Prepaidpaket, die Antwort, dass es nur Jahresverträge gibt. Ehrlich gesagt wollen wir uns bei unserer Testwoche nicht gleich so lange festlegen. Also fahren wir ohne mobiles Internet weiter und hoffen, dass wir vor Ort eine Prepaidkarte für Touristen bekommen.

11. Juli 2020 - Campen als digitaler Nomade

Es ist Samstag und wir sind gestern Nacht am Gardasee angekommen. Unsere größte Befürchtung ist, dass wir, nur mit Zelt ausgerüstet stundenlang in der Hitze aushalten müssen. In der ersten Nacht sieht es auch erst einmal ganz danach aus. Das Thermometer zeigt um 2 Uhr nachts immer noch 27 Grad an und unser Zelt gleicht einer Sauna. Draußen schlafen geht leider nicht, da tatsächlich ein Gewitter aufgezogen ist, dass es nicht schafft, die Hitze zu vertreiben. Zum ersten Mal bekommen wir ein Gefühl davon, was für einen großen Vorteil ein Van bietet.

Für den kommenden Tag befürchten wir das Schlimmste. Tatsächlich rettet uns aber der Pavillon, den wir noch in München besorgt haben und vor unser Zelt spannen. Solange nur die Sonne scheint, klappt unsere Lösung wunderbar. Als später dann Wind dazukommt, wird klar, dass der Pavillon beim kleinsten Gewitter nachgeben wird. Was später auch genauso geschieht.

Reisen mit Hund
Kitesurfen Gardasee

Dann wäre da noch der Strom. In der Beschreibung des Campingplatzes stand “Strom vorhanden”. Wir haben uns aber schon gedacht, dass nicht einfach jeder Stellplatz eine Steckdose hat, an der wir unsere Laptops anschließen können. Immer 4 Plätze zusammen haben einen Stromkasten. Die Campingurlauber mit Wohnmobil um uns herum nutzen einen Adapter, den wir nicht haben. Mittlerweile wissen wir, dass sich dabei um den sogenannten „Camping-Stecker“, einen blauen, 3-poliger CEE-Stecker handelt.

Fazit zum mobilen Arbeiten auf einem Camping-Platz: mit Camper oder Van jederzeit. Nur mit einem Zelt ausgestattet wird das Vorhaben schon komplizierter. Im Notfall funktioniert es, ist aber recht unkomfortabel.

12. Juli 2020 - Das Internet funktioniert immer noch nicht

Wir fahren weiter Richtung Pisa. Denn dort haben wir ein Zimmer mit Pool für die nächsten Tage gebucht. Strom und WLAN sind vorhanden. Wir stellen aber schnell fest, dass sich mobiles Arbeiten eher rechnet, wenn man mit einem Van unterwegs ist. Im europäischen Ausland sind Unterkünfte im Vergleich zur Übernachtung im Van doch recht teuer. Wie wir vor Ort feststellen, haben wir hier zwar WLAN, allerdings funktioniert das nur teilweise. Video Calls sind darüber leider unmöglich. Dafür haben wir einen Pool, an den wir sogar unsere Hundedame mitnehmen dürfen.

Abends nehmen wir dann auch gleich die Vorteile mit, die das digitale Nomadenleben mit sich bringt. Nämlich das Reisen und Entdecken neuer Orte. Wir erkunden das kleine Städtchen Lucca, das sich als wahrer Geheimtipp erweist. Da es sich um keine besonders große Stadt handelt, können wir unsere Hundedame ohne schlechtes Gewissen mit in die Innenstadt nehmen. Noch wollen wir sie nicht alleine in der Unterkunft lassen. Unser Ziel ist es, in Zukunft länger an Orten zu bleiben. Vielleicht sieht das dann anders aus.

Lucca Italien

13. Juli 2020 - der erste offizielle Arbeitstag als digitaler Nomade

Wir starten mit dem im Zimmerpreis enthaltenen Frühstück und stellen fest, dass man hier leider auch nehmen muss, was man bekommt. In unserem Fall ein in Plastik verpacktes Croissant, dünner Kaffee und Plastikgeschirr und Besteck, das nach jedem Gast einfach weggeworfen wird. Wären wir Selbstversorger, würde das anders laufen. Aber um genau diese Dinge herauszufinden, machen wir ja diesen Test.

Gleich nach dem Frühstück machen wir ein Geschäft eines Mobilfunkanbieters ausfindig und besorgen eine Prepaidkarte für Touristen mit 20 GB Datenvolumen für einen Monat. Die Karte passt in unseren mobilen Router und wir können endlich mit stabiler Internetverbindung arbeiten. Mittlerweile funktioniert auch unser Hotel WLAN einigermaßen. Wir haben erfahren, dass die Verbindung nachts einfach langsamer läuft. Wie auch immer, wir sind mit unserem mobilen WLAN auf der sicheren Seite und können unseren Arbeitgebern garantieren, dass wir erreichbar sind.

Mobiler WLAN-Router

Tatsächlich läuft der erste offizielle Tag nicht anders als im Homeoffice. Wir erledigen unsere Aufgaben über den Laptop, wie Zuhause. Bounty liegt neben uns und schläft den ganzen Vormittag. Mittags drehen wir mit ihr eine Runde in einem nahe gelegenen Park, besorgen uns kurz etwas zu essen und hüpfen in den Pool. Am Nachmittag arbeiten wir auf unserem Zimmer weiter. Danach machen wir eine halbe Stunde Sport vor dem Pool und suchen uns ein nettes Ziel für Bountys Abendrunde.

In diesem Fall lautet das Ziel Meer. Wir finden zwischen all den privaten Hotelstränden einen öffentlichen Strand und verbringen dort den Abend bei einem Picknick.

Hund am Strand

14. Juli 2020 - Arbeitsalltag neu definieren

Wir sind heute schon früh wach, denn wir wollen laufen gehen. Regelmäßiger Sport gehört in München zu unserem Leben und soll auch im neuen Alltag fest integriert sein. Wir haben gehört, dass es in Lucca eine der schönsten Laufrunden gibt. Und so ist es auch. Man läuft auf der Stadtmauer im Schatten der Bäume entlang. Als wir um halb 8 beim Frühstück in einem Café sitzen, sind wir heilfroh, so früh gestartet zu sein. Denn schon jetzt ist es sehr heiß.

Ab heute heißt es auch für Alex, ganz offiziell zu arbeiten. Dank Kurzarbeit hatte er gestern noch einen entspannten Tag. Allerdings warten heute einige Calls, bei denen hoffentlich die Verbindung hält. Tatsächlich läuft alles wie geschmiert. Mittags hüpfen wir kurz in den Pool, organisieren Mittagessen und gehen mit Bounty raus.

Das man als digitaler Nomade nur in der Sonne liegt, können wir keinesfalls bestätigen. Ich hätte mittags statt Pool am liebsten durchgearbeitet und Alex sitzt um halb 10 immer noch am Laptop. Man muss sich wohl auch als digitaler Nomade seinen Tag gut einteilen und Freiräume schaffen.

Pool

15. Juli 2020 - Sightseeing Programm und mobiles Arbeiten

Wieder ein Tag, an dem es früh aufstehen heißt. Los gehts um 6 Uhr morgens. Wir haben heute Touri Programm auf dem Plan. Und weil wir vormittags arbeiten müssen und mit Bounty nicht zu einer überlaufenen Sehenswürdigkeit können, geht das nur ganz am Morgen. Unser Ziel: der schiefe Turm von Pisa.

Zu unserer Überraschung sind wir noch bis am Vormittag fast die einzigen Menschen am Turm. Anschließend laufen wir durch die Straßen, suchen uns ein Café zum Frühstücken und genießen die menschenleere Stadt.

Gegen 10 Uhr geht es für Bounty und mich zurück an den schattigen Parkplatz. Auf mich warten ein paar E-Mails und für Bounty muss so eine Tour durch die Stadt bei der Hitze auch nicht länger sein. Alex geht noch mal in den nun geöffneten Turm hinein. Auch hier funktioniert der mobile WLAN-Router einwandfrei. Nach 2 Tagen arbeiten haben wir gerade einmal 3 von 20 GB verbraucht.

Den Rest des Tages verbringen wir auf der Terrasse der Unterkunft mit arbeiten.

Schiefer Turm von Pisa